Ein kleiner Roguelike-Überblick

Das Roguelike-Genre in all seinen Ausformungen kann leicht unübersichtlich werden. Deswegen gibt es hiermit als besonderen Service im Rahmen der Roguelike-Woche auf Bildschirmsprünge einen Überblick über die wichtigsten Vertreter und ihre Charakteristika. Für eine allgemeine Einführung in das Thema sei auf die entsprechende Podcast-Folge verwiesen.

 

Rogue (1980-1984, Michael Toy, Glenn Wichman und Ken Arnold)

Der auch heute noch erstaunlich kurzweilige und zugängliche Urvater: Simpel und genial, wenn auch nicht immer überaus fair. Vielleicht nicht der allerbeste Einstieg, aber perfekt als zweites Spiel nach dem Einstieg.

 

Nethack (1987-2003, Nethack Dev Team)

Jeder muss Nethack gespielt haben. Es ist die quintessenzielle Roguelike-Erfahrung, mit allen Stärken, Schwächen und Verrücktheiten des Genres auf 11 hochgedreht. Was auch bedeutet, dass es nicht das zugänglichste Spiel auf dieser Liste ist, aber wenn man den Weg über ein simpleres Roguelike nimmt und sich dann vorarbeitet, fällt der Einstieg gleich gar nicht mehr so schwer. Im Vergleich zu Dwarf Fortress etwa ist Nethack in Sachen Benutzerfreundlichkeit immer noch ein Apple-Produkt.

 

Angband (1990-, Alex Cutler und Andy Astrand)

Ein geradliniger Hack-and-Slash-Dungeon-Crawler und das direkte Vorbild von Diablo. Für Freunde des Metzelns und Lootens zu empfehlen. Unheimlich einflussreich und mit zig Variationen und Entwicklungsverzweigungen.

 

Ancient Domains of Mystery (1994-, Thomas Biskup)

Dieses ambitionierte Meisterstück – meist unter dem Kürzel ADOM im Gespräch – reichert das Roguelike-Prinzip mit Elementen des traditionellen CRPGs an: Nicht nur werden die prozedual generierten Dungeons durch eine fixe Oberwelt zusammengehalten, es gibt auch einen für Roguelike-Verhältnisse durchaus elaborierten Plot,  dutzende Quests und ein komplexes Charakterentwicklungssystem mit einer schwindeligen Anzahl an Rassen, Klassen und Skills.

 

Mystery Dungeon: Shiren The Wanderer (1995, Chunsoft)

Wieder einmal kann man es japanischen Entwicklern überlassen eine Spieldynamik auf ihre essentiellen Elemente herunterzubrechen und effizient zu fokussieren. Shiren The Wanderer, der zweite Teil der immens populären Mystery Dungeon-Serie, ist das definitive Konsolen-Roguelike – ursprünglich nur auf dem Super Famicom zu Hause, mittlerweile zum Glück durch einen DS-Port aus dem Jahr 2008 in den Westen gebracht.

 

Tales of Maj’Eyal (1998-, Nicolas ‘DarkGod’ Casalini)

Zuallererst: Ja, es gibt einen erwachsenen Mann, der sich DarkGod nennt. Wenn man das einmal verkraftet hat, bekommt man mit ToME ein erschreckend benutzerfreundliches Spiel geboten, das mit einer farbenfrohen grafischen Oberfläche, Maussteuerung, umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten und vergleichsweise modernen Konzepten wie Cooldowns und Unlocks arbeitet. Ähnlich wie in ADOM gibt es auch hier eine Oberwelt mit zahlreichen Dungeons, Dörfern und Geheimnissen.

 

Doom: The Roguelike (2003-, Kornel Kisielewicz)

Wie der Name schon sagt: Es ist Doom. Als Roguelike. Fällt in die Klasse der sogenannten “Coffebreak Roguelikes”, die sich für ein Spielchen zwischendurch anbieten. Hervorragend als Einstieg geeignet, weil schnell, kurzweilig und nicht zu kompliziert. Obendrein gibt es die Orignal-Musik und -Soundeffekte aus Doom, ein schönes Standard-Tileset von Derek Yu (Spelunky, Aquariaund aus dem Vorbild hinreichend bekannte Waffen, Monster und Items.

 

Dungeon Crawl Stone Soup (2006-, Stone Soup Team)

Ganz ehrlich? Ich konnte bis jetzt nicht herausfinden, was diesen Titel zu so einem Publikumsliebling macht, aber die Leute nennen ihn immer wieder, deshalb tu ich das hier auch. Vermutlich liegt es an der relativen Zugänglichkeit und der Jack-of-all-Trades-Qualität. Stone Soup macht eine Menge richtig und hat keine großen erkennbaren Schwächen, bietet vertraute Motiven und Mechanismen ohne große Nethack‘sche Stilbrüche und Exzesse und verfügt über ein halbwegs attraktives Standard-Tileset mit mausgesteuertem Interface.

 

Brogue (2009-, Brian Walker)

Eine bemerkenswert kluge und elegante Modernisierung von Rogue. Vier große Stärken: 1) Das komfortable, informative und wahlweise komplett mausgesteuerte Interface. 2) Ähnlich wie in Shiren ein starker Hang zur Straffung und Reduzierung. So gibt es nur eine Handvoll Gegnertypen, jede allerdings mit ihren ganz speziellen Eigenschaften. 3) Der Dungeon-Generator macht Schluss mit den rechteckigen Räumen, die durch Korridore verbunden sind. Brogue hat natürlich wirkende Höhlen mit Seen, Lavaströmen und Hängebrücken über dunklen Schluchten. 4) Die Ästhetik: Durch den geschickten Umgang mit Licht und Farben bekommen die einst utilitaristischen ASCII-Umgebungen eine völlig neue Qualität.

 

Kerkerkruip (2011-, Victor Gijsbers)

Roguelikes treffen Interactive Fiction, von einem Mann, der verdammt viel Ahnung von beidem hat. Kerkerkruip ist ein Roguelike durch und durch, nur eben in Form eines Text-Adventures – also eigentlich die späte Einlösung dessen, was den Entwicklern von Rogue ursprünglich vorgeschwebt haben muss, bevor Ken Arnold mit der Bibliothek Curses die Möglichkeit bot ASCII-Zeichen grafisch zu verwenden. Nicht falsch verstehen: Kerkerkruip ist ein in Design und Benutzerführung topmodernes Exemplar von Interactive Fiction. Schwierig, ja, aber aus den richtigen Gründen.

 

Dungeons of Dredmor (2011-2012, Gaslamp Games)

Abgesehen von den Mystery Dungeon-Spielen haben es waschechte Roguelikes nie soweit in den Mainstream geschafft wie mit Dungeons of Dredmor, was unter anderem dem Humor und der Cartoon-Ästhetik des Spiels zu verdanken ist. Aber auch sonst ist Dredmor ein schönes Exemplar seiner Gattung, vielleicht mit etwas zuviel stuff wie einem unnötig überladenen Crafting-System. Für Einsteiger dennoch perfekt.

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